Kombiniere, kombiniere…

Dry Day

Nachdem ich Lust hatte, eine neue Fotomontage zu basteln, sollte hier wohl mal wieder ein kleines Tutorial anstehen – zu den letzten Composings habe ich ja eher wenig gesagt.
Statt nun schrittweise das Vorgehen zu erläutern, möchte ich heute stattdessen darauf eingehen, auf was genau man bei einer Photoshopbastelei eigentlich achten muss. Zum einen umfasst das aktuelle Bild relativ viele Ebenen, wodurch eine Bauanleitung also wirklich mühselig zu lesen und natürlich auch zu schreiben wäre, zum Anderen möchte hier sicherlich niemand das gleiche Bild nachbauen.

1. Zusammensuchen des Materials

Hier bietet sich natürlich an, alles selber zu fotografieren. Man bekommt keine Probleme mit Urherberrechten, kann Objekte in mehreren Blickwinkeln aufnehmen und kann direkten Einfluss auf die Ausleuchtung nehmen (bspw. durch den Aufnahmezeitpunkt). Letzteres ist wirklich wichtig – wobei natürlich im Grunde alles wichtig ist – denn ein frontal angestrahlter Gegenstand impliziert automatisch eine Lichtquelle, die diese Ausleuchtung fabriziert. Existiert in dem fertigen Bild nur eine Sonne, die dann auch noch hinter dem Objekt steht, so kann man so viel basteln und retuschieren wie man will, es wird immer „falsch“ aussehen. Wie immer ist es daher am sinnvollsten, sich vorher darüber im Klaren zu sein, wie das fertige Bild aussehen soll und worauf man schon bei der Aufnahme achten muss. Ich gebe gerne zu, dass ich selber da oft sehr schlampig bin 🙂
Wer kein Material erstellen kann, der greift auf Stockfotoagenturen zurück, die passende Bildelemente liefern. Das beste Material findet man sicherlich bei großen, kostenpflichtigen Agenturen wie Fotolia oder iStockfoto. Oft kann man sich aber auch bei Agenturen bedienen, die Material kostenfrei anbieten. Die Auswahl ist geringer, die Qualität deutlich schlechter, aber dafür ist es umsonst. Empfehlen kann ich hier z. B. www.sxc.hu.

2. Freistellen der einzelnen Bildbestandteile

Ein Thema über das es tausende Bücher gibt, in denen tausend verschiedene Wege aufgezeigt werden, wie man tausend unterschiedliche Dinge freistellen kann. Ich möchte hier nicht mal ansatzweise zu diesem Thema etwas schreiben. Grundsätzlich gilt: Verwendet Masken, arbeitet non-destruktiv! Dinge die vorschnell gelöscht werden, sind so immer wieder herstellbar.

3. Positionierung und Skalierung

Alle Elemente sind gesammelt und schon von unwichtigen Bildinformationen separiert? Super! Nun gilt es nur noch, alles passend zu arrangieren – was leichter gesagt, als getan ist.
Größenverhältnisse, korrekte Perspektiven und dergleichen sollten beachtet werden. Dinge, die weiter entfernt sind, müssen kleiner sein – wie klein, erkennt unser Gehirn meistens relativ gut auch ohne Hilfsmittel. Ist man sich doch mal nicht ganz so sicher, so nutzt man Fluchtlinien in bereits fertig positionierten Elementen. Alle im Kunstunterricht aufpeasst? Logisch, oder? Na, dann dürfte das ja kein Problem werden. Hier hatte ich das schon einmal mehr oder weniger gut versucht zu veranschaulichen.
Eine Kleinigkeit gibt es noch zum Aufnahmewinkel zu sagen. Objekte, auf die man von oben gucken kann, müssen sich unterhalb des Horizonts befinden (z. B. das grüne Fass). Objekte, deren „Deckel“ man nicht sieht, reichen über den Horizont hinaus (z. B. die Zapfsäule).

Nun hat man sicherlich schon einige Schweißperlen vergossen, dafür aber auch schon das Schlimmste hinter sich. Ich zeige Euch nun den unteren Ausschnitt des Bildes. Es zeigt das Ergebnis nach den eben genannten Schritten. Was fällt auf?

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Erste Collage der Einzelkomponenten

Korrekt, sieht schei�e aus! Warum? Die Einzelnen Bildbestandteile sind halt einfach nur ausgeschnitten und �bereinandergelegt. Momentan besteht das Bild noch aus vielen einzelnen Bildern. Ganz davon ab, passen die Farben der einzelnen Komponenten auch nicht wirklich zusammen und genau hier setzen wir als n�chstes an.

4. Farbanpassung

Und wieder gilt es sein Lieblingswerkzeug zu finden. Das Schöne an Photoshop ist, dass man auf vielen Wegen zum Ziel kommt. Die geeigenten Werkzeuge nennen sich Einstellungsebenen und lassen sich mittels Schnittmaske mit dem zu bearbeitenden Objekt verknüpfen. Hier kann man mit der Tonwertkorrektur, der Farbbalance oder z. B. mit Farbton/Sättigung arbeiten.
Objekte, die weit entfernt sind, verlieren an Kontrast. Ich persönlich nutze hier meistens die Tonwertkorrektur und schiebe dort den Grauregler einfach in Richtung Schwarz. Voila!
Für konkrete Farbänderungen, wie sie am Staub an den Reifen vorzunehmen ist, habe ich in diesem Fall eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung verwendet und verändere lediglich die Rottöne. Mittels Ebenenmaske kann man hier durch simples Malen mit schwarzer und weißer Farbe Bereiche markieren, die von diesen Änderungen betroffen sein sollen. Was hatten wir noch? Ach ja, die Farbbalance. Verwendet habe ich sie bspw. um das Körbchen umzufärben – wobei ich hier zusätzlich eine Tonwertkorrektur angewendet habe.
Die Qual der Wahl bleibt einem also nicht erspart. Was die perfekte Lösung ist, kann ich Euch ganz bestimmt nicht sagen. Vielleicht gibt es die auch gar nicht. Wenn das Ergebnis zufrieden stimmt, ist das aber auch vollkommen egal und wichtig ist nur, dass man die Grundfunktionen einiger weniger Werkzeuge so gut kennt, dass man zumindest im Ansatz weiß, was sie ungefähr zu leisten vermögen.

Wie sieht das Ganze nun aus? Ich würde sagen, schon sehr viel besser:

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Nun wurden die Farben angepasst

Was nun noch stört (in diesem Grad der Verkleinerung leider schlecht zu erkennen) ist, dass die Schärfe der einzelnen Bildelemente nicht mit dem der anderen Teile übereinstimmt. Der Affe bspw. wurde formatfüllend und knackscharf fotografiert. Durch das Herunterskalieren ist er wesentlich schärfer als bspw. der vordere Wüstenbereich, der aus einer Internetquelle stammt.

5. Anpassen der Schärfe

Die Weichzeichnungsfilter sind leider destruktiv. Das bedeutet, eine Änderung lässt sich nicht rückgängig machen. Fällt einem am Ende ein Fehler auf, so wäre das äußerst ungünstig. Möchte man nun darauf verzichten, jedes Bildelement in doppelter Ausführung zu besitzen, so bieten aktuellere Photoshopversionen die Funktion der Smart Objects. Filter die auf Smart Objects angewendet werden, lassen sich auch später noch verändern, was wie gesagt einen großen Vorteil darstellt. Nachteil hierbei ist jedoch ein deutlich größerer Speicherbedarf. Wandelt also lediglich die Objekte in Smart Objects um, die ihr entsprechend „filtern“ wollt.
Mittels des Gaußschen Weichzeichners lässt sich anschließend der Detailgrad der Dinge, die zu scharf zu sein scheinen, leicht reduzieren. Meistens reicht hier ein Radius von max. zwei Pixeln; oft tut’s auch schon ein Wert kleiner 1.

Fertig? Mitnichten! Ich würde fast behaupten, dass das Wichtigste noch fehlt. In diesem Bild fällt es gar nicht so extrem auf, da die Ausleuchtung eher seicht ist. Wenn jedoch dieser wichtige Schritt nicht vergessen wird, dann wird nichts aus einem stimmigen Bild. Eine Idee? Achtet mal auf den Stein, auf dem der Affe sitzt. Was fehlt?

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Anpassung der Schärfe. Hier schlecht zu erkennen; in „groß“ aber von Bedeutung…

Logisch, die Schatten fehlen!

6. Schatten malen

Alle Objekte, werfen in Abhängikeit der sie bestrahlenden Lichtquelle einen Schatten auf ihr Umfeld. Es ist mal wieder eine Kleinigkeit, aber (mal wieder) eine sehr bedeutende Kleinigkeit. Schatten fügen die einzelnen Bildteile zusammen. Sie sind absolut notwendig und lassen sich sogar ein wenig dazu nutzen, kleinere Fehler zu kaschieren.
Wie erstellt man nun einen Schatten? Nun, zunächst sollte man sich darüber im Klaren sein, wie der Schatten überhaupt fallen muss. Ist das klar, so erstellt man eine leere Ebene unter dem schattenwerfenden Objekt und malt nun mit einem weichen Pinsel und schwarzer Farbe den Schatten einfach ins Bild. Hierbei kann man die Deckkraft des Pinsels ruhig extrem minimieren und mehrmals über die Stellen fahren. Blendet die Ebene zwischendurch mal aus und wieder ein, um den Unterschied zu sehen. Mit dem Deckkraftregler lässt sich die Schattenstärke anschließend mit Leichtigkeit noch „feinjustieren“. Ob man den Schatten nun malt, das Objekt komplett mit schwarzer Farbe fällt, weichzeichnet und entsprechend verschiebt bleibt wieder einem selbst überlassen. Der „Baukastenschatten“ der Ebenenstile ist in Composings eher selten passend aber natürlich ein schneller Weg, mal grob eine Vorstellung zu bekommen. Folgendes sollte jedoch noch beachtet werden: Ein Objekt, dass etwas berührt, hat in fast allen Fällen einen kleinen sehr scharfen, dunklen Schatten (in diesem Fall gut an den Füßen zu erkennen) und einen größeren, weicheren Schatten.

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Schatten sind existenziell

Wenn diese „Kleinigkeiten“ alle beachtet werden, dann steht einer guten Fotomontage eigentlich nichts mehr im Weg. Wie man an meinen Bildern unschwer erkennt, bin ich selber kein Profi was Bildmontagen betrifft. Möchte man ein bestimmtes Bild „produzieren“, bleibt oftmals jedoch nur eine Fotomontage und mit jeder Arbeit bekommt man ein besseres Gespür für die Feinheiten im Bild, ist vertrauter mit den Möglichkeiten, die einem das Bildbearbeitungsprogramm bietet usw.. Es gilt das Motto „Einfach ausprobieren und nicht verzweifeln.“. Das Leben kann manchmal schon verzeifelnd genug sein, lasst das nicht auch noch Euer Hobby sein und wenn man nicht weiterkommt, so ist ein Tag Pause auch nie verkehrt. Guckt man zu einem späteren Zeitpunkt noch mal auf das eigen Werk, sieht man oft Dinge, die man zuvor total übersehen hat. Bei meinem Bild Fireworks, bzw. New Years Day ist mir erst sehr spät aufgefallen, dass auf der Schattenseite des Mondes Sterne zu sehen waren, was natürlich Blödsinn war. Bei der Montage mit dem Pinguin, hat man vor den Bäumen die schwarze Horizontlinie gesehen usw.. Aber es geht ja um den Spaß und zur Not kann man immer noch behaupten, es wäre Kunst und alles so gewollt 😉

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