Hochzeitsfotografie

Die Dokumentation einer Hochzeit ist für Hobbyfotografen sicherlich nicht unbedingt ein Metier, in dem sich täglich bewegt wird. Ich behaupte jetzt aber mal, dass für jeden ambitionierten Fotoamateur früher oder später der Zeitpunkt kommt, an dem die Kamera auf eine Hochzeit mitgenommen wird – insbesondere dann, wenn man sich in einem Alter befindet, in dem aus einfachen Paaren im Bekanntenkreis auf einmal Ehepaare werden.

In den meisten Fällen nimmt man die Kamera, die eh zum alltäglichen Begleiter geworden ist, einfach mit, um den Tag für Freunde und Bekannte als normaler Gast zu dokumentieren. Spricht sich jedoch erst einmal herum, dass man eigentlich ganz vernünftige Bilder machen kann, so besteht durchaus die Gefahr, irgendwann darauf angesprochen zu werden, die Aufgabe des “Hauptfotografen” zu übernehmen.
Während Erstgenanntes sich relativ entspannt nebenbei erledigen lässt – man kann das eigene Hobby mit schönen Dingen wie essen, tanzen, trinken und herumalbern kombinieren -, müsste ich lügen, wenn ich behaupten würde, nicht ziemlich nervös gewesen zu sein, als ich auf einmal Verantwortung für gelungene Hochzeitsbilder übernehmen sollte.

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Auf der einen Seite ist da natürlich der Stolz, dass die eigenen fotografischen Leistungen andere derart überzeugen, dass sie ihr Schicksal (ich übertreibe hier bewusst) in die Hände eines Amateurs legen. Zumindest Trauung und Festlichkeit sind in den seltensten Fällen wiederholbar – zumindest wenn man es bei dem einen Partner belassen möchte -, und daher sollten die Fotos nach Möglichkeit gut werden. Dazu kommt auch, dass man sich als Fotograf ja weiterentwickeln möchte. Die Technik ist irgendwann beherrscht, genügend Beispielbilder wurden angeschaut. Was nun noch hilft, ist die Praxis!

Andererseits hat man, insofern das Ergebnis dem Brautpaar nicht vollkommen egal ist, auch gute Gründe, gestresst zu sein. Man avanciert schließlich vom bequemen Gast-Dasein zum Verantwortung innehabenden “Offiziellen”, der sich möglichst nicht intensiv dem Alkohol hingeben sollte. Es ist gut, einen Zeitplan abgesteckt zu haben, Leute müssen u.U. dirigiert werden. Während der normale Gast am Buffet Schlange steht, sollte man ebendieses bereits vor dem Zerfleddern gut in Szene gesetzt haben. Statt selber sofort auf die Tanzfläche zu stürmen, sollte man zunächst die Tanzenden ablichten – was für Tanzunwillige aber auch durchaus eine willkommene Aufgabe sein kann. Es kann nicht schaden, vor dem offiziellen Start mit dem Pfarrer bzw. Standesbeamten ein paar Worte gewechselt zu haben, denn die haben, was Hochzeiten betrifft, meisten doch etwas mehr Erfahrungen. Sie haben nicht nur Trauungen, sondern auch den ein oder anderen Fotografen hinter sich und können mitunter ein paar gute Tipps was Standortwahl und Ablauf betrifft, geben. Braucht man bspw. für das Paarshooting Licht oder ein bestimmtes Setting, kann man sich bereits vorher um dessen Aufbau kümmern, etc. usw. pp.. Allgemein gilt es, das Brautpaar nicht zusätzlich zu stressen.

Hört sich alles erst einmal ganz furchtbar an, macht aber auch ‘ne Menge Spaß. Das gute an Hochzeiten ist, dass sie meistens nach einem gewissen Schema ablaufen. Ist man der Erste vor Ort, kann man ganz in Ruhe das eben genannte Gespräch führen, sich die Location genau ansehen und ein paar Testfotos machen. Nach und nach werden die ersten Gäste und das Brautpaar eintrudeln. Alle begrüßen und unterhalten sich, sind irgendwie abgelenkt. Optimal, um ein paar verdeckte Fotos zu schießen. Hier wird in den Bildern Spaß und Vorfreude rüberkommen; beim Brautpaar vielleicht ein bisschen Nervosität. Auf jeden Fall interessant!

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Während der Trauung gilt es natürlich das Anstecken der Ringe, den ersten Kuss, neidische Blicke auf das Brautkleid etc. abzulichten. Der Einmarsch in die Kirche oder das Unterschreiben im Standesamt sind Dinge, die auf jeden Fall kommen werden und vorhersehbar sind. Bitte nicht erschrecken und dann gehetzt schnell von A nach B rennen, sondern vorher Position beziehen.
Bei der letzten von mir fotografierten Hochzeit war es im Standesamt leider so eng, dass ich mich nicht wirklich vom Fleck bewegen konnte und auch nicht sollte, wie mir vorher vom Standesbeamten gesagt wurde. Hier gilt es also Kompromisse einzugehen und das Beste daraus zu machen. In diesem Fall war ich sehr froh eine Zweitkamera zur Hand zu haben und so unterschiedliche Brennweiten nutzen zu können, ohne ständig das Objektiv wechseln zu müssen.

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Wer im Besitz von lichtstarken Festbrennweiten ist, sollte diese auf jeden Fall im Gepäck haben. Sie helfen nicht nur beim Freistellen, sondern verkürzen auch die Belichtungszeit, was den Blitzeinsatz ersparen kann. Grundsätzlich gilt, dass ich mich als Fotograf lieber im Hintergrund halte und gerade bei Trauungen äußerst ungern blitze, bzw. nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Blitzerei lenkt meines Erachtens nach ab und Dauerfeuer geht nicht nur dem Brautpaar auf die Nerven 😉

Außer den genannten must haves ist alles gut, was Emotionen zeigt. Vielleicht fließt ja doch ein Freudentränchen…

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Vielleicht geht ja, wie im folgenden Bild, der gottverdammte Knoten, mit dem die Ringe befestigt sind, nicht zu lösen. Das sind Dinge, an die man sich auch später noch zurückerinnern wird. Dinge, die die Trauung persönlich machen.
Und nicht vergessen, Pfarrer und Standesbeamte gehören auch irgendwie zu diesem Tag und gerade der Pfarrer hat oft eine gewisse Beziehung zum Paar. Diese Person darf also auch ruhig mit ins Bild eingebaut werden.

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Nach der Trauung ist die Gelegenheit für ein großes Gruppenfoto günstig, da gerade alle greifbar sind. Tipps? Hm, gar nicht so leicht! Auf gar keinen Fall sollte man die Gruppe in die pralle Sonne stellen. Da ist es zwar schön warm aber das Licht ist fast immer zu “brutal”, es wird bspw. zu Schatten in den Augenhöhlen kommen. Letzteres ist aber eh egal, da mindestens die Hälfte der Personen die Augen zukneifen wird womit wir auch schon beim nächsten Tipp sind.
Im Zeitalter der digitalen Fotografie kann man ruhig ein Bild zusätzlich machen und später in der Bildbearbeitung tricksen. Macht man schnell vier bis fünf Bilder in Folge, kann man zuhause das beste Basisbild heraussuchen und nun geschlossene Augen mit den offenen aus einem der restlichen Bilder “reparieren”.

Beim Gruppenfoto der letzten von mir fotografierten Hochzeit ließ ich alle die Zunge herausstrecken. Auf Kommando sollte die Zunge wieder im Mund verschwinden und die Leute bekamen den Hinweis, lieber schnell zu reagieren, wenn sie nicht mit herausgestreckter Zunge auf einem Hochzeitsfoto verewigt werden wollten. Das sorgt fast immer für gute Laune. Zugegebenermaßen ließ ich mir die Gelegenheit nicht nehmen, bereits vorher ein Foto zu machen – wann hat man schon mal einen Haufen Menschen vor sich, die einem alle die Zunge herausstrecken?! Natürlich tat ich so, als würde es mir wahnsinnig leid tun und bat um Verständnis, dass ich mir diese Gelegenheit nicht nehmen lassen konnte.
Was ich damit sagen möchte ist Folgendes: Freundliche Gesichter bekommt man mit kleinen Späßen und vor allem damit, nicht allzu lange herum zu hampeln. Im Notfall tut’s auch das bekannte “Cheese!”. Ist halt ein bisschen abgenutzt, aber erfüllt seinen Zweck. Keine dieser Personen hat Lust, lange zu warten!

Anschließend geht es fast immer zur Lokalität der Festlichkeiten und oft wird der Zeitpunkt dafür genutzt, das Paarshooting über die Bühne zu bekommen. An sich ein guter Zeitpunkt. Das Paar sieht noch frisch aus und bis alle Gäste am geplanten Ziel angekommen sind, muss man eh mit einer gewissen Wartezeit rechnen. Verspätet sich das Brautpaar ein wenig, bekommen die Gäste immerhin schon mal etwas zu trinken. Alles nicht wirklich tragisch, so wirklich viel Zeit bleibt einem als Fotograf aber trotzdem nicht.
Hier erscheint die Angelegenheit, eigentlich zum ersten Mal, ein wenig stressig. Gerade darum ist es auch der Punkt, vor dem ich wirklich Respekt besitze, denn nun zeigt sich, wer auf dem Gebiet der Portrait- und Peoplefotografie sicher ist und wer nicht. Grundsätzlich sollte man hier zumindest über ein Basisrepertoire an Posen verfügen, die man anpeilen kann. Orientierung dafür liefern bspw. Bilder anderer Fotografen. Wichtig ist hierbei nicht nur auf die Posen, sondern vor allem auch auf das Licht zu achten. Wo kommt es her? Wurde geblitzt? Eventuell aufgehellt? Ein Assistent, der einem z.B. mit einem Reflektor zur Seite steht, kann hier Gold wert sein. Kein eigener zur Hand? Engagiert einen fotobegeisterten Hochzeitsgast! Hier ging es aber auch ohne Hilfe wie man sieht. Lediglich ein leichter, frontaler Aufhellblitz wurde eingesetzt – in diesem Fall per HSS, da die kürzeste Synchronzeit der K-5 bei 180s liegt.

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Kreativität ist erlaubt und inzwischen auch oft gewünscht. Genau wie komplette Hochzeitsdokumentationen, kommen die sog. “Trash the Dress” Fotos immer mehr in Mode. Wie der Name schon sagt, kann es dabei ruhig etwas derber zugehen. Es darf grungig, dreckig, spaßig werden … worauf man halt Lust hat. Das kann bedeuten, dass Ersatzklamotten zumindest dann Pflicht sind, wenn die Fotos am Tag der Hochzeit gemacht werden. Mitunter werden solche Shootings daher sogar zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt. Ein schöner Grund, das Hochzeitskleid ein zweites mal zu tragen; aber natürlich mit einem gewissen Aufwand verbunden.
Schaut man sich die Bilder dieser Rubrik in Fotocommunitys an, erkennt man, dass nicht immer “getrasht” werden muss. Vielmehr handelt es sich um eine Art kreatives Fotoshooting, das nun einmal mit einem Hochzeitspaar durchgeführt wird. Die Ergebnisse sind extrem vielseitig und das gefällt mir und anscheinend auch vielen anderen.
Auf jeden Fall ist die Art des Paarshootings eine Sache, die es im Vorfeld abzuklären gilt! Ich persönlich mag ausgefallenere Bilder, die aber natürlich zum Paar passen sollten. Bei folgendem Setting hatte das Brautpaar bspw. einen alten Hof gekauft. Scheune oder Dachboden lieferten so nicht nur eine tolle Location, sondern sind gleichzeitig eine Erinnerung an den beginnenden Hausausbau. Wie auch immer man es nun deuten mag, es ist der Beginn eines neuen Abschnitts für das Paar.

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Über den restlichen Tag verteilen sich mit ziemlicher Sicherheit das besagte Buffet, der Anschnitt der Torte und oft ein Hochzeitstanz, alle möglichen Spielchen, Reden und anderer Zeitvertreib. Während gegessen wird, werden grundsätzlich eh keine Personen fotografiert und bleibt man mit einem Ohr am Geschehen, damit man kein Highlight verpasst, sollte nun auch Zeit für das ein oder andere Bier oder einen Kaffee drin sein. Praktisch ist, dass unter den weiteren Gästen oft ebenfalls fleißig fotografiert wird. So bleibt in der Regel genügend Luft, sich auf diese größeren Events zu konzentrieren und zusätzlich bspw. ein paar Details zu dokumentieren.

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Während man im groben Getümmel mit einem guten Standardzoom vernünftig aufgehoben ist, nutze ich für Details meistens ein Makrobjektiv mit relativ kurzer Brennweite. Oft ist aber auch hier der Abbildungsmaßstab des Standardzooms ausreichend und die Freistellung bei max. Zoom akzeptabel. Eine gewisse Flexibilität ist hilfreich um schnell reagieren zu können und, wenn möglich und eingangs bereits erwähnt, überall als erster zu sein. Nicht nur Speisen, sondern auch die restliche Deko, leiden im Lauf der Feierlichkeiten sichtlich.

Den Kompaktblitz nehme ich im Lauf des Tages zwar nie von der Kamera ab, versuche aber, wie schon gesagt, ihn relativ selten einzusetzen. In vielen Gaststätten ist das Licht nicht immer ausreichend, um komplett ohne Blitzlicht auszukommen und oft dauern die Feierlichkeiten bis tief in die Nacht. Man sollte also, ob man will oder nicht, immer darauf vorbereitet sein, den Blitz einsetzen zu können. Ebenso wie Ersatzakkus und zusätzliche Speicherkarten für die Kamera, sind daher auch frische Batterien für das Blitzgerät Pflicht! Auch wenn ein Kompaktblitz mit guten Energiezellen relativ lange Licht von sich gibt, so verlängert sich die Ladezeit mit schwächer werdender Power merklich. Bilder, bei denen der Blitz dann nicht mehr rechtzeitig auslöst sind die Folge und das kann sehr ärgerlich werden.
Das Nutzen von vorhandenem Licht schont aber nicht nur die Akkus, sondern erhält auch die Stimmung. Hier war es ein Scheinwerferspot, der das Brautpaar perfekt in Szene setzt. Die zusätzliche leichte Abdunklung des Hintergrunds in Kombination mit der Teilkolorierung war im RAW-Konverter schnell erledigt.

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Im Lauf des Tages werden höchstwahrscheinlich hunderte von Fotos entstehen. Keiner muss ein schlechtes Gewissen haben, wenn nicht jeder Schuss ein Treffer ist. Selbst Profis bekommen das nicht hin und so wird es auch niemand von einem Amateur erwarten. Hat man am Ende vielleicht 50 Fotos, die man vorzeigen kann, so ist das absolut ausreichend; mir wurde da zumindest noch nie gesagt, ich hätte zu wenig fotografiert.
Wichtige Eckpunkte sollten festgehalten werden, dazu ein paar hübsche Details und ein paar nette Fotos von Freunden und Verwandten. That’s it – there is no magic 😉

Kombiniere, kombiniere…

Dry Day

Nachdem ich Lust hatte, eine neue Fotomontage zu basteln, sollte hier wohl mal wieder ein kleines Tutorial anstehen – zu den letzten Composings habe ich ja eher wenig gesagt.
Statt nun schrittweise das Vorgehen zu erläutern, möchte ich heute stattdessen darauf eingehen, auf was genau man bei einer Photoshopbastelei eigentlich achten muss. Zum einen umfasst das aktuelle Bild relativ viele Ebenen, wodurch eine Bauanleitung also wirklich mühselig zu lesen und natürlich auch zu schreiben wäre, zum Anderen möchte hier sicherlich niemand das gleiche Bild nachbauen.

1. Zusammensuchen des Materials

Hier bietet sich natürlich an, alles selber zu fotografieren. Man bekommt keine Probleme mit Urherberrechten, kann Objekte in mehreren Blickwinkeln aufnehmen und kann direkten Einfluss auf die Ausleuchtung nehmen (bspw. durch den Aufnahmezeitpunkt). Letzteres ist wirklich wichtig – wobei natürlich im Grunde alles wichtig ist – denn ein frontal angestrahlter Gegenstand impliziert automatisch eine Lichtquelle, die diese Ausleuchtung fabriziert. Existiert in dem fertigen Bild nur eine Sonne, die dann auch noch hinter dem Objekt steht, so kann man so viel basteln und retuschieren wie man will, es wird immer “falsch” aussehen. Wie immer ist es daher am sinnvollsten, sich vorher darüber im Klaren zu sein, wie das fertige Bild aussehen soll und worauf man schon bei der Aufnahme achten muss. Ich gebe gerne zu, dass ich selber da oft sehr schlampig bin 🙂
Wer kein Material erstellen kann, der greift auf Stockfotoagenturen zurück, die passende Bildelemente liefern. Das beste Material findet man sicherlich bei großen, kostenpflichtigen Agenturen wie Fotolia oder iStockfoto. Oft kann man sich aber auch bei Agenturen bedienen, die Material kostenfrei anbieten. Die Auswahl ist geringer, die Qualität deutlich schlechter, aber dafür ist es umsonst. Empfehlen kann ich hier z. B. www.sxc.hu.

2. Freistellen der einzelnen Bildbestandteile

Ein Thema über das es tausende Bücher gibt, in denen tausend verschiedene Wege aufgezeigt werden, wie man tausend unterschiedliche Dinge freistellen kann. Ich möchte hier nicht mal ansatzweise zu diesem Thema etwas schreiben. Grundsätzlich gilt: Verwendet Masken, arbeitet non-destruktiv! Dinge die vorschnell gelöscht werden, sind so immer wieder herstellbar.

3. Positionierung und Skalierung

Alle Elemente sind gesammelt und schon von unwichtigen Bildinformationen separiert? Super! Nun gilt es nur noch, alles passend zu arrangieren – was leichter gesagt, als getan ist.
Größenverhältnisse, korrekte Perspektiven und dergleichen sollten beachtet werden. Dinge, die weiter entfernt sind, müssen kleiner sein – wie klein, erkennt unser Gehirn meistens relativ gut auch ohne Hilfsmittel. Ist man sich doch mal nicht ganz so sicher, so nutzt man Fluchtlinien in bereits fertig positionierten Elementen. Alle im Kunstunterricht aufpeasst? Logisch, oder? Na, dann dürfte das ja kein Problem werden. Hier hatte ich das schon einmal mehr oder weniger gut versucht zu veranschaulichen.
Eine Kleinigkeit gibt es noch zum Aufnahmewinkel zu sagen. Objekte, auf die man von oben gucken kann, müssen sich unterhalb des Horizonts befinden (z. B. das grüne Fass). Objekte, deren “Deckel” man nicht sieht, reichen über den Horizont hinaus (z. B. die Zapfsäule).

Nun hat man sicherlich schon einige Schweißperlen vergossen, dafür aber auch schon das Schlimmste hinter sich. Ich zeige Euch nun den unteren Ausschnitt des Bildes. Es zeigt das Ergebnis nach den eben genannten Schritten. Was fällt auf?

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Erste Collage der Einzelkomponenten

Korrekt, sieht schei�e aus! Warum? Die Einzelnen Bildbestandteile sind halt einfach nur ausgeschnitten und �bereinandergelegt. Momentan besteht das Bild noch aus vielen einzelnen Bildern. Ganz davon ab, passen die Farben der einzelnen Komponenten auch nicht wirklich zusammen und genau hier setzen wir als n�chstes an.

4. Farbanpassung

Und wieder gilt es sein Lieblingswerkzeug zu finden. Das Schöne an Photoshop ist, dass man auf vielen Wegen zum Ziel kommt. Die geeigenten Werkzeuge nennen sich Einstellungsebenen und lassen sich mittels Schnittmaske mit dem zu bearbeitenden Objekt verknüpfen. Hier kann man mit der Tonwertkorrektur, der Farbbalance oder z. B. mit Farbton/Sättigung arbeiten.
Objekte, die weit entfernt sind, verlieren an Kontrast. Ich persönlich nutze hier meistens die Tonwertkorrektur und schiebe dort den Grauregler einfach in Richtung Schwarz. Voila!
Für konkrete Farbänderungen, wie sie am Staub an den Reifen vorzunehmen ist, habe ich in diesem Fall eine Einstellungsebene Farbton/Sättigung verwendet und verändere lediglich die Rottöne. Mittels Ebenenmaske kann man hier durch simples Malen mit schwarzer und weißer Farbe Bereiche markieren, die von diesen Änderungen betroffen sein sollen. Was hatten wir noch? Ach ja, die Farbbalance. Verwendet habe ich sie bspw. um das Körbchen umzufärben – wobei ich hier zusätzlich eine Tonwertkorrektur angewendet habe.
Die Qual der Wahl bleibt einem also nicht erspart. Was die perfekte Lösung ist, kann ich Euch ganz bestimmt nicht sagen. Vielleicht gibt es die auch gar nicht. Wenn das Ergebnis zufrieden stimmt, ist das aber auch vollkommen egal und wichtig ist nur, dass man die Grundfunktionen einiger weniger Werkzeuge so gut kennt, dass man zumindest im Ansatz weiß, was sie ungefähr zu leisten vermögen.

Wie sieht das Ganze nun aus? Ich würde sagen, schon sehr viel besser:

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Nun wurden die Farben angepasst

Was nun noch stört (in diesem Grad der Verkleinerung leider schlecht zu erkennen) ist, dass die Schärfe der einzelnen Bildelemente nicht mit dem der anderen Teile übereinstimmt. Der Affe bspw. wurde formatfüllend und knackscharf fotografiert. Durch das Herunterskalieren ist er wesentlich schärfer als bspw. der vordere Wüstenbereich, der aus einer Internetquelle stammt.

5. Anpassen der Schärfe

Die Weichzeichnungsfilter sind leider destruktiv. Das bedeutet, eine Änderung lässt sich nicht rückgängig machen. Fällt einem am Ende ein Fehler auf, so wäre das äußerst ungünstig. Möchte man nun darauf verzichten, jedes Bildelement in doppelter Ausführung zu besitzen, so bieten aktuellere Photoshopversionen die Funktion der Smart Objects. Filter die auf Smart Objects angewendet werden, lassen sich auch später noch verändern, was wie gesagt einen großen Vorteil darstellt. Nachteil hierbei ist jedoch ein deutlich größerer Speicherbedarf. Wandelt also lediglich die Objekte in Smart Objects um, die ihr entsprechend “filtern” wollt.
Mittels des Gaußschen Weichzeichners lässt sich anschließend der Detailgrad der Dinge, die zu scharf zu sein scheinen, leicht reduzieren. Meistens reicht hier ein Radius von max. zwei Pixeln; oft tut’s auch schon ein Wert kleiner 1.

Fertig? Mitnichten! Ich würde fast behaupten, dass das Wichtigste noch fehlt. In diesem Bild fällt es gar nicht so extrem auf, da die Ausleuchtung eher seicht ist. Wenn jedoch dieser wichtige Schritt nicht vergessen wird, dann wird nichts aus einem stimmigen Bild. Eine Idee? Achtet mal auf den Stein, auf dem der Affe sitzt. Was fehlt?

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Anpassung der Schärfe. Hier schlecht zu erkennen; in “groß” aber von Bedeutung…

Logisch, die Schatten fehlen!

6. Schatten malen

Alle Objekte, werfen in Abhängikeit der sie bestrahlenden Lichtquelle einen Schatten auf ihr Umfeld. Es ist mal wieder eine Kleinigkeit, aber (mal wieder) eine sehr bedeutende Kleinigkeit. Schatten fügen die einzelnen Bildteile zusammen. Sie sind absolut notwendig und lassen sich sogar ein wenig dazu nutzen, kleinere Fehler zu kaschieren.
Wie erstellt man nun einen Schatten? Nun, zunächst sollte man sich darüber im Klaren sein, wie der Schatten überhaupt fallen muss. Ist das klar, so erstellt man eine leere Ebene unter dem schattenwerfenden Objekt und malt nun mit einem weichen Pinsel und schwarzer Farbe den Schatten einfach ins Bild. Hierbei kann man die Deckkraft des Pinsels ruhig extrem minimieren und mehrmals über die Stellen fahren. Blendet die Ebene zwischendurch mal aus und wieder ein, um den Unterschied zu sehen. Mit dem Deckkraftregler lässt sich die Schattenstärke anschließend mit Leichtigkeit noch “feinjustieren”. Ob man den Schatten nun malt, das Objekt komplett mit schwarzer Farbe fällt, weichzeichnet und entsprechend verschiebt bleibt wieder einem selbst überlassen. Der “Baukastenschatten” der Ebenenstile ist in Composings eher selten passend aber natürlich ein schneller Weg, mal grob eine Vorstellung zu bekommen. Folgendes sollte jedoch noch beachtet werden: Ein Objekt, dass etwas berührt, hat in fast allen Fällen einen kleinen sehr scharfen, dunklen Schatten (in diesem Fall gut an den Füßen zu erkennen) und einen größeren, weicheren Schatten.

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Schatten sind existenziell

Wenn diese “Kleinigkeiten” alle beachtet werden, dann steht einer guten Fotomontage eigentlich nichts mehr im Weg. Wie man an meinen Bildern unschwer erkennt, bin ich selber kein Profi was Bildmontagen betrifft. Möchte man ein bestimmtes Bild “produzieren”, bleibt oftmals jedoch nur eine Fotomontage und mit jeder Arbeit bekommt man ein besseres Gespür für die Feinheiten im Bild, ist vertrauter mit den Möglichkeiten, die einem das Bildbearbeitungsprogramm bietet usw.. Es gilt das Motto “Einfach ausprobieren und nicht verzweifeln.”. Das Leben kann manchmal schon verzeifelnd genug sein, lasst das nicht auch noch Euer Hobby sein und wenn man nicht weiterkommt, so ist ein Tag Pause auch nie verkehrt. Guckt man zu einem späteren Zeitpunkt noch mal auf das eigen Werk, sieht man oft Dinge, die man zuvor total übersehen hat. Bei meinem Bild Fireworks, bzw. New Years Day ist mir erst sehr spät aufgefallen, dass auf der Schattenseite des Mondes Sterne zu sehen waren, was natürlich Blödsinn war. Bei der Montage mit dem Pinguin, hat man vor den Bäumen die schwarze Horizontlinie gesehen usw.. Aber es geht ja um den Spaß und zur Not kann man immer noch behaupten, es wäre Kunst und alles so gewollt 😉