Mit Scandtrack in Schweden – Teil 2

Fortsetzung von Mit Scandtrack in Schweden – Teil 1

Mittwoch, 28. Juli 2010:

Beim Frühstück werden wir vom Regen überrascht und müssen uns kurzzeitig ins Zelt zurückziehen, können dann aber doch bald das nächste Ziel ansteuern. Unser Ziel ist gleich die nächste, bereits sichtbare, größere Insel. Nach dem stressigen Tag gestern, wollen wir heute noch ausreichend Zeit am Rastplatz haben. Nach der Ankunft errichten wir sofort unser Lager, um allen Vorbeipaddelnden zu signalisieren, dass dieser Lagerplatz bereits belegt ist und ich beginne damit, die Riemen meiner Sandale mit einem Taschenmesser und Angelschnur zu vernähen. Ich freue mich über das Ergebnis und weitere 15 Jahre Tragbarkeit.

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Im klaren Wasser sehe ich zwei fette Fische, die in aller Seelenruhe hinter meinem Blinker herschwimmen, und raste halb aus … nicht vor Begeisterung kann ich versichern! Zwar ist es gut zu wissen, dass es anscheinend auch richtig große Fische hier gibt, aber irgendwie fühle ich mich von den beiden Flossentieren verarscht, die scheinbar wissentlich, dass ich sie beobachte, bis wenige cm an mich heran dem Blinker folgen, um dann kurz vor dem Anbeißen wieder abzudrehen. Ich rüste die Angeln auf Köder um und gehe erst einmal fotografieren.

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Zum Abendessen gibt es Reis mit mediterranem Trockengemüse, den wir im Sonnenuntergang auf den Felsen am Wasser in uns hineinschaufeln. Während ich fotografiere, nutzt Ines die Gunst der Stunde, um ein wenig zu blinkern. Wir sehen die Fische direkt in unserer Nähe sich ein paar Insekten von der Wasseroberfläche schnappen und einer versucht sich an dem Blinker. Leider wieder zu spät, aber immerhin gibt es auch heute wieder Fisch zum Nachtisch. Wir kurbeln das Feuer wieder an und Ines fällt den kleinen Flussbarsch mit Zwiebeln, um ihn anschließend in Alufolie zu garen. Er schmeckt noch besser, als sein gegrillter Kumpel vom Vortag und ich beschließe nach meiner Ankunft in Deutschland, die Rolle der Tschibo-Angel umgehend zu entsorgen und mir im Fachhandel eine vernünftige Rolle für die größere Angel zu ergattern.

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Es ist 0.11 Uhr, die letzten Sonnenstrahlen konnte man noch um 23.30 Uhr am Horizont ausmachen und wir liegen im Zelt. Neben uns hören wir es fiepsen und rascheln, während eine kleine Rötelmaus durch die Heidelbeerbüsche rennt.

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Donnerstag, 29. Juli 2010:

Unterbrochen von einigen kurzen, dafür äußerst windgen Momenten, regnet es nun schon seit dem ersten Augenblinzeln. Verlassen wurde das Zelt lediglich zum Frühstück unter der abgespannten Plane und für einige schnelle Minuten von mir, da ich mich kurz zum Säubern in den See setzte. Ines zog es vor, sich direkt im Zelt zu waschen. Pinkelpausen werde äußerst ungern und deswegen selten gemacht; was für Ines‘ Blase jedoch ein gutes Zeichen ist, nachdem sich in den letzten Tagen eine leichte Blasenentzündung angekündigt hatte und Pinkelpausen in der Regel UMGEHEND eingefordert wurden.
Ansonsten besteht der Donnerstag, ebenso wie bereits der Sonntag, aus Lesen im Zelt und damit verbundenen Rückenschmerzen. Wir beschließen, den nächsten Urlaub im Hotel auf Malle zu verbringen. Falls wettertechnisch eine Besserung eintreten sollte, werden wir unser Angelglück heute mit Stockbrotteig statt Blinker oder Nudel versuchen.

14.58 Uhr, Ines verlässt das Zelt um zu pinkeln und um Schokolade zu holen. Es regnet nicht mehr! Aus Langeweile sägt sie Holz und trocknet Marmelade und Wurstgläser. Nach einer Weile traue auch ich mich aus dem Zelt und klettere auf die inzwischen extrem glitschigen Felsen um zu angeln.
Um 16.45 Uhr sind die Haushaltsarbeiten erledigt, was für den Himmel das Signal zu sein scheint, seine Luken wieder zu öffnen und uns wieder mit Regen zu beglücken. Mit dem Rücken zum Wind bemerke ich das etwas spät, sitze nun in Boxershorts im Zelt und hoffe, dass meine Hose möglichst noch heute irgendwie wieder trocken wird. Die Tafel Schokolade wird immer kleiner, Regen und Wind umso stärker. Wir lesen.

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19.00 Uhr, es regnet! Haben Suppe gekocht und bemerkt, dass das Dichtungsgummi des Kochers anscheinend noch auf der letzten Insel liegt. Da wir heute jedoch bereits einige Kanus gesehen haben, die versuchten den See zu queeren und nach einiger Zeit wieder umkehrten, da der Wellengang zu gefährlich war – wie kann man so wahnsinnig sein, bei so einem Wetter überhaupt los zu paddeln? Bei dem Wind hätte man stattdessen mit dem Drachen fliegen können! – machen wir keinen Ruderausflug zur Vortagesinsel und lassen das Gummi Gummi sein.
Gegen 23.00 Uhr ist Ines‘ Buch auch zu Ende gelesen, Schlafenszeit!

 

Freitag, 30. Juli 2010:

Regen, während wir noch in den Schlafsäcken liegen. Dann, ein Hoffnungsschimmer. Es wird etwas heller und das Prasseln auf der Zeltplane ist verstummt. Die Gelegenheit nutzen wir sofort, um unsere Homebase mit frischem Wasser und Frähstücksproviant neu auszustatten. Ines wäscht noch schnell ihre Haare im Eimer und schon fallen die nächsten Tropfen. Wir hätten in Norwegen bleiben sollen, da war das Wetter besser!

So gerne hätte ich heute meine Hose gewaschen, jedoch stehen die Chancen schlecht. Was momentan einmal nass ist, bleibt auch nass, solange man die Klamotten nicht anzieht und mittels Körperwärme trocknet. Die Variante, sich vom Wind trocknen zu lassen, ist aufgrund der aktuell kurzen Regenpausen zu aufwändig. Oh Moment, es regnet gerade nicht. Wir stürmen aus dem Zelt.

16.28 Uhr und bisher hat es nicht mehr geregnet. Das Wasser hat sich beruhigt und wir können uns wieder vorstellen, das Scandtrack Lager am morgigen Tag ohne zu kentern zu erreichen. Nachdem ein weiterer großer Fisch sich am Plättchen des Blinkers von mir durch das Wasser ziehen lässt und dann, in Sichtweite angekommen, einfach loslässt, probieren wir es nun mit Speck an einem normalen Haken. Ein Fischfang vor der Nahrungszubereitung würde unser Essen sehr aufwerten. Die Fresstonne wird leerer und unsere Kreativität beim Kochen ist jeden Tag mehr gefragt.

Wir machen einen kleinen Rundgang über die Insel; entdecken viele Pilze, die am Vortag definitiv noch nicht dort gestanden haben und essen Heidelbeeren. Auf dem See sind jetzt wieder vermehrt Kanuten auszumachen, die einen nahen Lagerplatz suchen, um morgen nicht so weit paddeln zu müssen. Indem wir auf die Felsen am Ufer stürmen und Präsenz zeigen, konnten wir bis jetzt verhindern, dass fremde Menschen in unsere Einsamkeit einfallen. Auf dieser Insel gibt es anscheinend nur einen Lagerplatz und der ist – dank Jedermannsrecht – von uns belegt. Wir sind nicht gewillt, ihn aufzugeben und mit unserem Zelt, dass nun seit ca. 18 Stunden zum ersten mal wieder trocken zu sein scheint, umzuziehen. Die Entscheidung, vorzeitig eine campnahe Insel anzusteuern, war definitiv die richtige. Wer weiß, wie morgen das Wetter wird und die knappen 3km schaffen wir notfalls auch im strömenden Regen.

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Am anderen Ende der Insel ist eine kleine Hütte inkl. Plumpsklo und ein Schild weist deutlich darauf hin, nicht auf die Idee zu kommen, hier sein Zelt aufzubauen. Ines überlegt natürlich sofort, wie es wäre, so ein Urlaubsdomizil zu besitzen und nimmt kurzerhand Platz auf dem Bänkchen vor dem Haus, um schon einmal Probe zu sitzen.

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Wir angeln und fotografieren um uns die Zeit zu vertreiben, bis der Bildstabilisator meiner Kamera unüberhörbar laut wird. Anscheinend macht die kondensierte Feuchtigkeit im Gehäuse bei der Übertragung der Daten von den Gyrosensoren Schwierigkeiten. Ich deaktiviere ihn und mache mir Gedanken, ob ich die Kamera einschicken und vier Wochen darauf verzichten möchte. Zum Abendessen gibt es Bohnen mit Speck, lange geräucherte Brotfladen und Knödel. Die Brotfladen werden jedoch in der Tonne verstaut, da wir einfach zu satt sind. Morgen werden sie zusammen mit den Resten aus dem Nutellaglas mal eine Abwechslung zum Roggen-Müsli-Brot sein. In Form einer Paddeltour um die Nachbarinsel machen wir einen kleinen Abendspaziergang und fallen nach unserer sportlichen Betätigung müde ins Bett.

 

Samstag, 31. Juli 2010:

Der Tag der Abfahrt ist gekommen. Dank regelmäßigem Tagebuchschreiben und elektronischer Hilfe konnten wir den Überblick über Wochentag und Datum behalten und werden nun nicht, wie ein Pärchen vor uns, einen Tag zu spät zum Lager zurückkehren. Nach einem gemütlichen Frühstück und dem Abbau unserer Basis stechen wir bei anscheinend relativ starkem Wind in See. Während ich einen Strommasten als grobe Richtung anpeile treibt es uns immer stärker ab und die Wellen werden höher, die Anstrengung größer. Die brechenden Wellen spritzen Ines, die im Bug sitzt, ins Gesicht und lassen sie samt Kanu in die Höhe hüpfen. Mit viel Kraft und 1,8 km/h nähern wir uns dann aber doch dem Scandtracksteg und können an Land gehen. Dort läuft alles deutlich entspannter ab, als bei unserer Ankunft. Unser Kanu übergeben wir direkt am Steg an eine Gruppe, tragen unsere Sachen zum Materiallager und sortieren dort unsere Sachen inkl. den restlichen Lebensmitteln und Scandtrackeigentum auseinander. Lungern anschließend ein wenig herum und verköstigen uns an übrig gebliebenen Teigfladen. Wir fühlen uns sauber genug und nutzen statt den Gruppenduschen lediglich das WC, bevor wir uns per pedes nach Lennartsfors aufmachen, um dort unsere 12 Kronen und 50 Öre – das Restgeld vom Angelschein – loszuwerden. Unser Gepäck verstauen wir, um es vor Regen zu schützen, unter einer Plane nahe der Küche. In Lennartsfors angekommen, ergattern wir ein paar schicke Angelhaken und die gekaufte Schokolade ist schneller verschwunden, als dass ich es hier beschreiben könnte.

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Zurück im Camp bemerken wir, dass wir an einem Geocache an der Schleuse vorbei gelaufen sind und beschließen wenigstens den zweiten Cache im näheren Umkreis zu heben. Wir „verfolgen“ einen Mann mit einem Garmin in der Hand in den Wald und werden auf einer Lichtung von ihm als Cacher enttarnt. Von dort aus geht es zu dritt durch den immer sumpfiger werdenden Wald. Ines hat mit ihren Sandalen die falsche Schuhwahl getroffen, was sie des öfteren dazu veranlasst, quietschende Laute von sich zu geben, wenn ihre Socken wieder ein bisschen nasser werden. Am Ziel finden wir ein museumsartiges Haus mitten im Wald, lesen Zeitungen aus den 50ern und tragen uns in das Logbuch ein. Nähere Informationen zu diesem Cache findet man unter GCXC5J.

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Wir wandern zurück und reihen uns in die Schlange der Wartenden vor der Essensausgabe ein, um anschließend Köttbullar mit Kartoffeln und Salat zu mampfen. Mir schmeckt’s, Ines nicht so wirklich. Im Laufe des Nachmittags galt es nun lediglich unsere Lunchpakete abzuholen und das Gepäck in den Bus zu laden. Um 19.45 Uhr fährt der Bus ab und wir ergattern uns die Sitzplätze am Klo. Zwar steigt dort hin und wieder eine Wolke übelriechender Klochemie auf, aber dafür können wir die Füße hochlegen und sitzen so wesentlich bequemer als auf der Hinfahrt. Ein unschätzbarer Vorteil, wenn ich daran denke vielleicht sogar etwas schlafen zu können.

Das Einlegen einer DVD wird von der Masse bejubelt und wir ergötzen uns an den bewegten Bildern von Hangover. Ein Hoch auf die Medien. Ich bin glücklich, bis … ja, bis ich überlege einen Schluck Absinth zu mir zu nehmen, den ich mir für die Rückfahrt aufgespart hatte. Eine ausgezeichnete Idee, das wird mir das Schlafen vereinfachen. Wo war noch gleich der Absinth? In der Stativtasche. Wo war noch gleich die Stativtasche? SCHEIßE!!! Wo haben wir die eingepackt? Haben wir die überhaupt eingepackt? Eine kurze Rekonstruktion ergibt, dass sie sich höchstwahrscheinlich noch unter der Plane befinden musste, unter der wir vorhin unser Gepäck verstaut hatten.

Angesichts des Stativwerts, der den Preis des Urlaubs locker übertrifft, überlege ich auszusteigen und anschließend privat eine Rückfahrt zu organisieren, kann mich dann jedoch von Ines überzeugen lassen, erst einmal im Camp anzurufen, was ich sogleich tue, als mein Handy wieder Empfang hat. Der Fernseher schreit und ich brülle ins Telefon. Noch während dem Gespräch findet die Mitarbeiterin die Tasche und verspricht, sie mit dem nächsten Bus nach Deutschland zu schicken. Ines ist beruhigt und kann sich wieder auf den Film konzentrieren. Ich sitze noch eine ganze Weile zerknirscht im Bus und mache mir über den Rücktransport meine Gedanken. Dabei bemerke ich nicht, dass Ines‘ Thermoskanne nicht wirklich dicht ist und sich klebriger Blubberlutsch über den Boden verteilt.

Der Film ist vorbei, der Bräutigam wurde wie erwartet auf dem Dach gefunden – schließlich habe ich den Film schon gesehen – und ein zweiter Film wird um 22.00 Uhr von der Sitzreihe hinter uns abgelehnt, da es ihnen zu laut wäre. Bitte? Ihr könnt danach immer noch 12 Std. schlafen ihr Schnarchtüten. Zum Glück legt nach 30 Min. einfach jemand Oceans 11 ein und wir sind für weitere 90 Min. abgelenkt.

Dann die erste Fähre, direkt erwischt, keine Wartezeit. Super! Die zweite Fähre, direkt erwischt, keine Wartezeit. Mist! Da wäre noch ein Geocache nur 700m entfernt versteckt gewesen. Trotzdem müssen wir aussteigen, da während der 45 minütigen Fahrt der Fahrzeugbereich geräumt werden muss. Immerhin haben wir teilweise sogar 20 Min. geschlafen. Ich kaufe mir vier verschiedene Sorten Lakritze, und komme so immerhin zu einem absinth-artigen Anisgeschmack. Lecker holländisches Lakritz, kenne ich auch schon aus dem Gummibärchenladen in der Stadt und bin ein großer Fan davon. Absinth selbst gibt es natürlich nicht im Board-Shop und auch der restliche Alkohol ist nicht gerade günstig.

Auf Fehmarn angekommen wird es bereits wieder hell und auch die Busfahrer scheinen aufgewacht zu sein, denn die beiden Busse liefern sich ein kleines Rennen. Ines bekommt davon wenig mit und dämmert bis Hamburg vor sich hin, wo wir an einer Raststätte halten. Ines trinkt einen Tee und ich muss fünf Minuten warten, da alkoholhaltige Getränke zu meinem Unwissen erst ab 7.00 morgens verkauft werden. Ja, wir sind eindeutig wieder in Deutschland! Das kalte Mixery schlägt mir leicht auf den Magen und ich entscheide mich für ein wenig Schlaf.

Um 8.30 Uhr kommen wir am Busbahnhof Hannover an, um 8.55 Uhr sitzen wir im Zug und ich unterhalte mich nett mit der Dame auf dem Sitzplatz neben uns. Sie ist verständnisvoll und ignoriert unseren Geruch und meine Schweißflecken, in denen man eine Entenfamilie hätte baden lassen können. In Hildesheim kauft sich Ines ein Croissant und ich stelle frustriert fest, dass es Calzone erst ab 9.30 Uhr gibt. Die Wartezeit ist mir eindeutig zu lange und so fahren wir mit dem Bus nach Hause. Dort schmeißen wir unsere Sachen auf den Boden, duschen, rufen Emails ab, schlafen, bestellen Döner, gucken TV und gehen wieder schlafen.

Mit Scandtrack in Schweden – Teil 1

Dokumentation eines Kanuurlaubs mit Scandtrack in Schweden, Nordmarken. Ein Auszug aus dem Urlaubstagebuch, geschrieben von den Reisenden; übersetzt und bebildert von mir.

Freitag, 23. Juli 2010:

Mit Bus und Zug sind wir pünktlich in Hannover angekommen um dann zunächst einmal auf unbestimmte Zeit am Busbahnhof zu warten. Zumindest erhalten wir zwischendurch die Nachricht, dass unser Bus 20km vor Hannover im Stau stünde. Geht ja gut los, was anderes habe ich von einer Busreise aber auch nicht erwartet.
Ines knabbert ein bisschen am Proviant – natürlich nur, um das Handgepäck zu erleichtern, das aus vier Schneckennudeln, vier Stücken Pizza, vier Äpfeln und Kaugummis besteht – ich lese mein neues Buch, Garou von Leonie Swann.

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Mit einer knappen Stunde Verspätung geht es dann um 20.15 Uhr los über Puttgarden, Helsingborg zum Camp in Lennartsfort/Schweden, wobei die Zwangspausen an den Fähren genutzt werden, um die Beine zu entknoten. An der Fähre in Helsingør müssen wir etwas länger auf die Ankunft der Fähre warten und erleben so, wie es um 4.30 Uhr bereits wieder heller wird. Schlafstatus: Kein Auge zugemacht bis jetzt.

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Samstag, 24. Juli 2010:

Um ca. 10.45 Uhr erreichen wir das Camp in Lennartsfort, kommen jedoch nicht daran vorbei, das Lehrvideo im Bus anschauen zu müssen. Mal abgesehen von einer Begleitmusik, die einem nach 24Std. Schlaflosigkeit – ja, ich habe wirklich nicht schlafen können. Busfahren ist scheiße! – den letzten Nerv raubt. Immerhin weiß ich jetzt, wie tief ich meine Notdurft vergraben muss und wie ich mir beim Holzhacken nicht Hand oder Bein abtrenne. Was man nicht so alles lernt… Wahnsinn!

Das Wetter ist bombig und zur Begrüßung gibt es erst mal lecker Würstchen. Bis auf die Äpfel haben wir es tatsächlich geschafft, unseren Proviant aufzufuttern. Aber was soll man auch sonst nachts tun, wenn man nicht schlafen kann?
Nun heißt es zunächst einmal auf der Wiese zu warten, bis die restlichen Ankömmlinge mit ihren Bussen eingetroffen sind und dann anschließend einen kleinen Fußmarsch durch den Wald zu machen, um am Ziel unsere Ausrüstung und (ganz wichtig) die Fresstonne in Empfang nehmen zu können.

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Eine kurze Kontrolle ergibt, alles in Ordnung bis auf ein stumpfes Beil und drei stinkende Plastik-Wasserbehälter. Das Beil packen wir ein, die Kanister müssen uns leider wieder verlassen. Aber genau aus diesem Grund, haben wir ja extra Trinkflaschen eingepackt und Trinkwasser können wir dank mitgebrachtem Wasserfilter auch problemlos am Ufer besorgen. Wir packen unsere persönlichen Sachen in wasserdichte Packsäcke um und tragen das Equipment runter zum Steg, wo wir erneut Geduld beweisen müssen.

„Schnappt euch ein Kanu und tragt es zum Steg.“. „NIEMAND NIMMT SICH OHNE MEINE ANWEISUNG EIN BOOT!“
Ja was denn nun? Wir stehen etwas betreten in der Kanuwarteschlange. Kanu Nr.1 bereits in der Hand.
Nach geduldigem Warten – hey, cool – sind wir unserem Ziel, dem Wasser, zum Greifen nahe. Das Kanu schwimmt quasi schon fast, da wurde es uns genommen. Einfach so, teilte ein Scandtrackler unser Boot einer anderen Gruppe zu. Eben noch seetüchtige Kanuten, jetzt bedröppelte Landaffen standen wir mit leeren Händen auf dem Steg. Ohne Einweisung darf leider nicht gepaddelt werden, Versicherungssache.

  • Schwimmwesten an
  • so paddelt man nach links
  • nicht aufstehen
  • so paddelt man nach rechts
  • nicht rauchen
  • vorsicht beim Queren
  • nicht bei Gewitter paddeln

Super, für wie blöd haltet ihr uns überhaupt? Dafür wurden wir jetzt unseres Kanus beraubt? Wir hätten schon längst auf Bärön sein, unser Zelt aufgebaut und den ersten Fisch gefangen haben können. Stattdessen sind wir auf der Suche nach einem neuen Boot. Einem Alu-Boot, weil es geräumiger scheint und ja auch viel hübscher aussieht.

Glücklicherweise bewiesen wir wenigstens einmal etwas Dreistigkeit und weigern uns den Steg zu verlassen. Was man hat, das hat man! Und da heute nicht nur Ankunfts- sondern auch Abreisetag ist, kommen immer wieder neue Heimkehrer an. Wir beschließen, dass das nächste Aluboot unseres ist – nochmal tragen wir so ein Teil nicht durch die Gegend runter auf den Steg – kapern es umgehend und rudern allem davon. Zivilisation, festem Boden und dem Scandtrackler. Bevor ihr euch nun aufregt, natürlich haben wir uns abgemeldet und die Bootsnummer notieren lassen.

Kaum auf dem Wasser, bemerken wir nach 10min paddeln unbändigen Hunger. Oh je, das ging schneller als erwartet. Außerdem müssen wir pinkeln und brauchen Sonnencreme. Die lange Wartezeit in der Schlange und die Aufgeregtheit haben da wohl so einiges verdrängt. Dazu die Müdigkeit – na ja, wie das halt so ist.
Nach 50min. und 2,5 km bei Gegenwind finden wir eine Bucht, in die ein kleiner Schniedel Stück Land ragt. In der Sonne gelegen, umgeben von seichtem, warmen Wasser und hübschen Felsen, die flach ins Wasser abfallen. Hier bleiben wir vorerst. Bockwürstchen essen, Pickup essen, Apfel essen, pinkeln.

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Es ist inzwischen 16.30 Uhr und aufgrund extremer Müdigkeit und dem Anschein, als sei unser eigentliches Tagesziel, die Grenzinsel Trollön, auch das Ziel aller vor uns Paddelnder, beschließen wir einfach die langsamsten zu sein und so die ersehnte Einsamkeit zu garantieren. Überholen ohne Einzuholen, sozusagen.
Aufgrund der geschlechterspezifischen Aufgabenteilung richtet die Frau das Heim her und der Mann bereitet die Jagdwaffen vor. Kurz, ich will unbedingt sofort die Angeln startklar machen und Ines baut währenddessen bereits das Zelt auf. Anschließend baden wir im warmen sichten Wasser … scheiße ist das kalt!

Erfrischt und sauber gilt es, weitere Bedürfnisse zu befriedigen und abgesehen von der Spatenarbeit – ihr wisst schon – gilt es die Frage nach dem Abendmenü zu klären. Das Studium des Outdoorkochbuchs ist interessant (flambierte Apfelringe etc.), wir werden jedoch lieber selber kreativ, da sich das Kochbuch irgendwie als unpraktikabel erweist. Für die Kohlnudeln fehlt der Kohl, für die Bratkartoffeln die Kartoffeln. Dafür sind wir im Besitz verschiedener Brotaufstriche im Glas. Gewichtstechnisch ein Fiasko, im Kanu aber vertretbarer Luxus.
Unserer überragenden Kreativität entspringt ein Menü, das sich sehen lassen kann. Vorweg ein kleiner Salat aus Tomaten und Gurke. Als Hauptgericht servieren wir heute ein Arrangement verschiedener Bohnen mit deftigem Speck in Tomatensoße. Als Beilage präsentieren wir zarte Wiener mit ausgesuchtem Senf. Den Abschluss bildet schmackhafte Backware mit Nougatcreme. Als Getränke werden gereicht: Frisch gefiltertes Wasser, abgeschmeckt mit einem Hauch Orange. Um etwaige Illusionen nicht zu zerstören, existiert kein fotografisches Dokumentationsmaterial.

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Nach einigen Angelversuchen und Fotoaufnahmen übermannt uns die Müdigkeit endgültig und wir kriechen gegen 22.00 Uhr nach dem Sonnenuntergang in unsere Schlafsäcke.

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Sonntag, 25. Juli 2010:

Es regnet. Wir verbringen den Morgen mit dem Frühstück und dem besseren Abspannen unseres Zeltes, um uns vor dem stärker werdenden Wind zu schätzen. Das Wasser für meinen Kaffee und Ines‘ Tee erhitzen wir mit dem Spirituskocher unter dem umgedrehten Kanu. So hat man wenigstens einen Grund, trotz Regen das Zelt zu verlassen. Wie es aussieht, haben wir meinen Gaskocher und die große Gaskartusche nur zur Sicherheit eingepackt, denn die Literflasche Spiritus sollte uns die Woche über reichen. Na toll. Jetzt haben wir unsere Globi-Gutscheine für ein Hut-Mückennetz, Insektenschutzmittel das angeblich Plastik auflöst, eine große Gaskartusche und Energieriegel ausgegeben. Mücken gibt es kaum, Gas brauchen wir nicht und so ist der Power-Bar in der Geschmacksrichtung Banane das einzige, worüber ich mich freuen kann … neben unseren Büchern natürlich, die uns über den Tag retten.

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Gegen 21.30 Uhr regnet es noch immer. Im Verlauf des Tages haben wir das Zelt für geschätzte zwei Stunden verlassen. Eine Stunde verbrachten wir mit pinkeln, kochen und Schutzplane aufhängen. Die zweite Stunde machten wir einen kleinen Spaziergang entlang der Küste um Heidelbeeren für unseren Nachtisch zu sammeln. Zwar wurden diese dann letztendlich nur im Milchreis versenkt und nicht kandiert, lecker war’s aber trotzdem.
Nun nutzen wir das restliche Licht zum Lesen – mal was Neues heute – und hoffen auf ein paar klitzekleine Sonnenstrahlen am morgigen Tag.

 

Montag, 26. Juli 2010:

Um 7.00 Uhr ist Ines bereits zwei Stunden wach, hat Wäsche aufgehängt, Wasser gefiltert und Tee gekocht. Sonnenstrahlen sind noch nicht in Sicht aber zumindest hält sich der Niederschlag – Nebel und hin und wieder ein paar Tropfen – und der Wind in Grenzen. Die Zeichen stehen gut, dass wir heute wieder in See stechen können.
Der Spaziergang gestern hat übrigens unsere Schuhe, Regenjacken und Hosen ziemlich durchnässt; fraglich ob die jemals wieder trocknen.

Um ca. 8.00 Uhr erwache ich aus meinem Koma und wasche mich halbnackt an der frischen Luft um in einem finalen Akt meinem Kopf in einem Eimer frischen Seewassers zu tauchen. Angenehm ist das zwar nicht, sieht aber lustig aus, wenn man Ines Glauben schenken darf. Nach zwei Tagen Outdoor und der horriblen Busfahrt fühle ich mich jetzt wieder richtig frisch.

Wir frühstücken und verlassen den „Schniedel der Verluste“. Ein Hering, der Objektivdeckel meines Teles und ein Blinker sind mysteriöserweise verschwunden. Wobei ich den Blinkerverlust noch erklären kann, aber der Rest…
Unser heutiges Ziel ist – na wer hat aufgepasst? – Trollön. Nach ca. 30 Minuten entdecke ich jedoch eine hübsche Bucht, die wir aufgrund des wieder einsetzenden Nieselregens vorerst ansteuern. Wie es aussieht, sind wir nicht die ersten Menschen hier, und so bestaunen wir die imposanten Bauwerke unserer Vorfahren. Es gibt höher gelegene Feuerstellen mit Aussicht über den gesamten See und ich würde am liebsten gleich hier bleiben. Ich sehe aber ein, dass 30min. für eine Tagesetappe deutlich untertrieben sind und so beobachte ich Ines, die sich nach einem unfreiwilligen Bad im See komplett auszieht, um ihre letzten trockenen Sachen anzulegen. Ein Rock, kurze Socken, ein T-Shirt und ein Fleecepulli. Wir decken unser Gepäck und unsere Beine mit der Plane ab und stoßen uns vom Ufer ab.

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Auf halber Strecke beginnt es dann erneut zu regnen. Kein Nieseln, Regen! Die nächste Bucht wird angesteuert, die Klippen erklommen und erst mal ein chinesisches Süppchen mit Hühnergeschmack gekocht. Wir erinnern uns daran, dass Elche schwimmen können, da wir kleine runde Kack-Kügelchen auf der Insel finden und versuchen weiter, wie bereits die ganze Fahrt über, einen Fisch zu angeln. Erfolglos!
Frisch gestärkt, Ines ließ freundlicherweise ein paar Nudeln dort, für den Elch wie sie versicherte – ich bin mir sicher, dass sie einfach runtergefallen sind – geht es weiter; im Nieselregen, mit ausgeworfener Angel einen Blinker hinter uns herziehend.

Da, fremdes Kanu in Sicht. Der Ehrgeiz packt uns und wir beschleunigen unser Boot auf sagenhafte 6,2 km/h (lt. Garmin), kreuzen waghalsig die ausgeworfene Angelschnur unseres Vordermanns – sie hätte mich fast geköpft. Nur gut, dass wir nicht schneller gepaddelt sind – und überholen natürlich. Trollön liegt vor uns aber leider blitzen mindestens drei rote Zelte aus dem Gebüsch und die vier Boote am Ufer sind uns eindeutig zu viel. Wir paddeln die Inselküste entlang und beschließen, dass Schweden eh kacke sei. Viel zu viel Regen! Wir müssen nach Norwegen!
Dort angekommen, also geschätzte 10min. später empfängt uns eine wundervolle Bucht mit Kiesstrand und Feuerstelle, einsam und idyllisch gelegen.

Anlanden, Zelt aufbauen, weiterangeln (kein Fisch!), Holz suchen, Feuer machen. HUNGER! Wir einigen uns auf Calzone und machen uns mutig ans Werk. Teig machen wir mit dem halben Paket Mehl, viel Öl, Wasser, Backpulver und Salz. Die Füllung besteht aus Tomaten, Käse, Salami und Zwiebeln. Das ganze wird dann als Paket in Alufolie verpackt – ja, wir sind wirklich komplett ausgerüstet worden – und ergibt ein leckeres und äußerst nahrhaftes Essen. Ines ist schon nach der Hälfte satt und auch ich tue mich schwer damit, meine Mahlzeit komplett zu vertilgen. Ausgezeichnet!

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Nach dem Essen stürzt sich Ines todesmutig in das kalte Wasser, dieses mal freiwillig, um 3-4 Züge zu schwimmen, sich anschließend an Land die Haare einzuseifen und sich von mir einen Eimer Wasser über den Kopf kippen zu lassen. Zwar ist die Outdoorseife biologisch abbaubar, trotzdem sollte man sich nicht unbedingt direkt im Wasser damit waschen. Um 22:30 ist die Sonne bereits weit unterhalb des Horizonts und ich fotografiere das für morgen vielversprechende Abendrot. Ines brät indes am Lagerfeuer ihre Socken um endlich mal was trocken zu bekommen und auch für unsere Sandalen wurde bereits beim Kochen ein Trockengestell errichtet. Nun sind sie zumindest nur noch feucht und können wieder getragen werden und wir müssen lediglich das Kanu umdrehen, Zähne putzen und können dann am wärmenden Feuer den Abend ausklingen lassen.

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Dienstag, 27. Juli 2010:

Heute haben wir ausgeschlafen und es geht uns blendend. Wir frühstücken im Sonnenschein auf einer Felsklippe und paddeln dann ein paar Meter auf den See, um den Blinker, der sich unter einem Stein festgekrallt hat, in eine andere Richtung ziehend zu lösen. Mission erfolgreich, Blinker gerettet.
Wir machen uns auf zum schwedisch/norwegischen Grenzstein und obwohl er riesengroß und gelb angestrichen ist, erkennt Ines ihn erst, als sie direkt davor steht und ich ihr erkläre, dass wir jetzt wohl am Ziel sind. Anscheinend war sie so mit ihrer Suche nach einem kleinen unscheinbaren Feldstein beschäftigt, dass direkt vor ihr ein Elch hätte tanzen können, ohne von ihr bemerkt zu werden. Ziemlich beeindruckend, dass hier eine Schneise mitten durch den Wald geschlagen wurde, um die Grenze auch außer Sichtweite des Grenzsteins zu markieren. Ich dachte immer, hier oben in Skandinavien hätten sich alle lieb. Ich hoffe, dass hier nicht todesstreifenähnlich Mienen ausgelegt sind und während das Garmin die Koordinaten mittelt, um diesen Wegpunkt ganz exakt abzuspeichern, kletterten wir runter zur Küste, um dort einen wirklich tollen Lagerplatz zu entdecken, der sogar mit Mülleimer ausgestattet war. Entweder war hier früher der offizielle Lagerplatz der Insel, oder er befindet sich im norwegischen Teil und ist daher nicht auf unserer Karte verzeichnet. Wir sind jedoch zu faul, die Mülltüte aus unserem Camp bis hier hin zu schleppen.

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Gemütlich spazieren wir fotografierend und Beeren essend zurück, um im Lager festzustellen, dass die Zeit schneller als gedacht vorangeschritten und es bereits Mittag ist. Trotzdem wurde der auf dem Weg gefundene Kunstköder noch mit Haken präpariert, bevor wir alles einpacken. Nun heißt es auch, sich von unserem Mitbewohner für eine Nacht, einer Kröte, zu verabschieden und sie aus unserer Apsis zu vertreiben. Ines ist sich sicher, dass wir heute abend auf Bäron schlafen werden. Ich hingegen bin mir sicher, dass sie nicht auf die Karte geguckt hat!

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Bis zu unserem vorläufigen Etappenziel Autofriedhof waren wir schon einige Stunden unterwegs. Dummerweise paddelten wir an der Straße, die direkt zum Friedhof geführt hätte, vorbei, um unser Kanu in der nächsten Bucht zu verstecken. Erstens waren dort keine Menschen und zweitens waren wir so, lt. GPS, näher an unserem Ziel. Leider haben wir dabei die Höhenmeter außer Acht gelassen und so bestanden die 400m aus 100m dichtem Wald, 100m klettern am zugewucherten Hang, 100m hohem Gras und doch, man mag es kaum glauben, 100m Straße. Der Autofriedhof war dann zwar interessant, aber leider fototechnisch nicht so ergiebig wie gehofft. Zumindest hatte ich es mir anders vorgestellt. Nach einer knappen Stunde waren wie wieder auf dem Rückweg und wollten alles besser machen. Wollten…

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Wir wandern auf der Straße bis zum Ufer, um dort dann, dem Ufer folgend, zurück zu unserem Boot zu laufen. Während die ersten Meter durch den Wald noch gehbar sind, müssen wir alsbald ein wenig klettern und stellen abermals erschrocken fest, dass wir uns nur einige Meter von einem Haus an der Straße entfernt sind, dass wir 10min zuvor passiert hatten. Zu allem Überfluss löst sich just in diesem Moment meine linke Sandale in ihre Bestandteile auf – auch wenn die Sohle einige Wochen zuvor bereits geklebt werden musste, haben sie immerhin tapfere 15 Jahre gehalten – und so traps ich halb barfuß, halb besohlt über Stock und Stein. Wir klettern über Hügel und Baumstämme und letztendlich über die Felsen am Ufer um dann, nach einer halben Ewigkeit, unser Boot zu erreichen. In dem ganzen Trubel ist uns die Zeit davongelaufen und so nehmen wir schnell Kurs auf die nächste Insel.
Zwar ist die uns zugewandte Seite und damit der offizielle Rastplatz bereits besetzt, wir fanden jedoch ein nettes Plätzchen mit Feuerstelle auf der Rückseite, errichteten unser Lager und sammelten Feuerholz. Heute sollte es Gulasch mit Nudeln geben, insofern nicht doch noch endlich der ersehnte Fisch an Land gezogen werden konnte. Mit einem weiten Schwung werfe ich ein paar mal die Angel aus und flup ist der neue Köder auch schon wieder verschwunden. Der Knoten hat sich gelöst und so treibt das Ding, zusammen mit meinen kostbaren weil wenigen Haken, 50m entfernt auf dem Wasser. Da das Boot auf der anderen Seite der Klippe liegt, beschließe ich, dass es nun nur noch einen kleinen Blinker mit Drilling, der nur noch ein Zwilling war, gibt.

Ines ist mal wieder Heidelbeeren sammeln und trifft unterwegs den alternativen Teil der Inselbewohner, die wir vorhin bereits im Vorbeifahren gesehen hatten, mit Kleidchen und Miedern bekleidet singend eine Bucht belagern. Ich denke an gruselige Sektenrituale und versuche mir vorzustellen, dass wir auf der Insel alleine sind.
Außer den Heidelbeeren schleppt Ines auch einen Stamm, groß wie sie selbst, heran und das Feuer ist mehr als gesichert. Ohne Zuhilfenahme eines Feuerzeugs entfache ich sogleich ein prasselndes Feuerchen. Ich fühle mich männlich.

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Inzwischen ist es spät geworden und solange die Nudeln kochen, zieht es mich wieder ans Wasser. In dem kleinen Bereich zwischen dieser und der Nachbarinsel mussten doch Fische sein, zudem ist es die perfekte Zeit, da es beginnt zu dämmern. Und tatsächlich, kaum säbelt Ines die Dose Gulasch auf, ziehe ich einen kleinen Flußbarsch ans Ufer.
Zwar sind wir nach dem Gulasch und den vielen Nudeln mehr als satt, trotzdem kommt Mr. Fish natürlich auf den Grill. Ein kleiner Zwischengang vor dem eigentlichen Nachtisch. Der war nämlich ein Apfel-Heidelbeerkuchen auf Cornflakes-Basis. Zwar schmeckt der Teig schräg aber ein Versuch war es wert. Wir futtern das Obst vom Kuchen und liegen um 0.30 Uhr in unseren Schlafsäcken.

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