Rot – Mehr als nur eine Farbe

Vor Jahren unterhielt ich mich mit einem Verwandten, der wie ich gerne mal zur Kamera greift, über gute und schlechte Bilder und was einen Betrachter u. a. dazu bringt, seinen Blick auf das gezeigte Bild zu lenken.

Meistens spielen Kontraste dabei ein wichtige Rolle und dazu zählt nicht nur ein hell/dunkel-Kontrast sondern auch Farbkontraste. Ein winziger Klecks Rot zieht unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich und so kann ein kleiner Tupfer in einem Foto das Highlight schlechthin sein. Sei es die rote Mohnblume in einem Meer aus grünem Gras oder gelbem Korn, sei es der rote Regenschirm in einer verregneten Landschaft oder als Sonnenschutz am Strand vor der Kulisse eines blauen Meeres. Und auch wenn das rote Objekt eher von minderem Interesse sein mag, den Blick wird es trotzdem auf sich ziehen, so attraktiv ist diese Farbe im wahrsten Sinne des Wortes.

Also habe ich gezielt nach roten Objekten Ausschau gehalten und die galt es natürlich im Nachhinein gezielt herauszuarbeiten bzw. zu betonen. Meine Absicht war es, das farbige Objekt nicht nur als Blickfänger in meinem Bild zu verwenden, sondern es als Hauptobjekt in Szene zu setzen.

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vorher / nachher

Da keineBildbearbeitung im großen Stil, sondern lediglich eine gezielte „Entwicklung“ stattfinden sollte, erfolgt die Umsetzung lediglich im RAW-Converter.

1. Reduzierung der Farbe

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Sättigung verringern

Ich starte absichtlich nicht mit den Grundeinstellungen. Zum einen, da eine Reduzierung der Farben von Anfang an feststeht, zum anderen sollen die Kontraste gesteigert werden, was abhängig vom Bild sehr individuell sein kann.
Rot soll leicht betont werden, daher eine minimale Erhöhung der Sättigung des Rotanteils. Orange wird auf ca. -50% reduziert, damit kein abrupter Farbabriss auftritt, was bei einer totalen Entsättigung der Fall sein könnte. Gleiches gilt für den Magentaanteil.

Der Rest wird komplett seiner Farbe beraubt, was durch ein Verschieben der Regler auf -100% geschieht.

2. Teiltonung

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Teiltonung

Das Bild soll kein reines Colorkey werden; heißt soviel wie: „Ich möchte kein Graustufenbild mit rotem Farbklecks“. Daher erfolgt nun eine sanfte Tönung.

 

 

 

 

3. Anheben des Kontrasts

Mancher mag sich über die nun folgende Art der Bearbeitung wundern, da, hat man die Clipping-Warnung aktiviert, hier höchstwahrscheinlich gleich ein paar Alarmglocken anfangen zu bimmeln.

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Grundeinstellungen

Da sich unser Hauptmotiv meistens in den mittleren Ton- und Helligkeitswerten befindet, erreichen wir mit der Erhöhung der Belichtung um eine Stufe, dass die hellen Bereiche außerhalb des Hauptmotivs an Details verlieren und mehr in den Hintergrund rutschen. Das gleiche passiert auf der Gegenseite durch das Verstärken der Tiefen.

Durch diese sehr einfache Methode wird das Augenmerk zusätzlich auf unser rotes Objekt konzentriert. Verlust wird hier bewusst in Kauf genommen. Ein Bild muss meiner Meinung nach nicht durchgehend Zeichnung und Details enthalten um gut zu sein. Abschließend wird mit dem Regler mit der Bezeichnung Klarheit der Kantenkontrast zusätzlich leicht erhöht.

Ergebnis dieser Bearbeitung ist ein extrem starker Kontrast, den man durch reines Verschieben des Kontrastreglers bei Weitem nicht erreichen würde.

4. Vignette

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Vignettierung

Durch eine Vignette wird der Blick zusätzlich auf das Bildzentrum gelenkt. In meinen Augen verstärkt eine Vignette obendrein den Retrocharakter der Bearbeitung.

Beachten muss man an diesem Punkt, die Funktion Vignettierung nach Freistellen zu verwenden, wenn man im RAW-Converter den Bildausschnitt verändert hat.

 

5. Schärfen und Abspeichern der Vorgabe

Das Nachschärfen und Entfernen von Luminanz- und Farbrauschen gehört bei einer RAW-Aufnahme in jedem Fall dazu. Insbesondere dann, wenn in Photoshop keine weitere Bearbeitung erfolgen soll. Da diese Parameter von Kamera und verwendeten Einstellungen abhängig sind, kann ich an dieser Stelle aber natürlich keine Vorgaben anbieten.

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Vorgaben

Abschließend empfehle ich, die gemachten Einstellungen als Vorgabe abzuspeichern, wodurch sich zukünftige Bilder durch einen Klick im selben Stil entwickeln lassen.

 

 

Und weil ich die Rot so interessant finde, habe ich der Farbe auch gleich mal ein ganzes Fotobuch gewidmet.

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